Ev.-Luth.
Kirchengemeinde Ahrensburg Advent
| Der Engel mit dem
roten Punkt
Alle Jahre wieder alle Jahre wieder nehme ich mir vor, Du beginnst in diesem Jahr frühzeitig mit den Vorbereitungen für den Advent, damit die Tage auch besinnlich werden. So war es denn vor etwa 25 Jahren - ich hatte mich rechtzeitig informiert, wann die Adventausstellung in meinem Blumenladen sein würde. Gleich morgens, nach dem Frühstück fuhr ich hin, um auch ja die schönsten Dinge zu ergattern. Ich fand so einiges, was mir gefiel! Ein Rest Schleifen" vergoldete Nüsse, Strohsterne, Gewürznelken, mit goldfarbigem Blumendraht umwickelt und so manches mehr, das hatte ich noch vom Vorjahr und so würde ich schon alles mit den neuen Sachen kombinieren können. |
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Ich wollte eben noch bezahlen, da fiel mein Blick auf einen großen "Bozener Engel". Er stand mit seinem langen braunen Kittelchen direkt neben der Ladentheke. Gott, sah der himmelsergeben nach oben mit seinem "Oh Du fröhliche" geformten Mündchen - oder könnte es sein, daß er sich gerade beim 4. Vers von Martin Luther's "vom Himmel hoch" befindet? Lob, Ehr sei Gott im höchsten Thron, der uns schenkt seinen eig'nen Sohn. Des freut sich der Engel Schar, und singet uns solch neues Jahr. Nein, - das sang er nicht; überhaupt, er hatte ja gar keine Flügel, bemerkte ich jetzt. Wollte ich nicht lieber mal einen Rauschgoldengel? So einen mit wallendem Engelshaar, zierlich gefaltetem, gebauschtem oder durch prächtigen Besatz geschmücktem Gewand, große gezackte Flügel? So einen, der aus Nürnberg stammt; denn es ist überliefert, daß ein Nürnberger Puppenmacher den ersten Rauschgoldengel vor ungefähr 300 Jahren angefertigt habe als Abbild seines Töchterchens. Ja, - wäre er ein Rauschgoldengel, dann könnte ich mir auch vorstellen, wie es in der Weihnachtskantate von "Matthias Claudius" heißt: Sie saßen da und hüteten im Dunkeln ihre Herde mit unbefangenem frommen Sinn; da stand vor ihnen, an der Erde, der Engel Gottes, und trat zu ihnen hin, und sie umleuchtete des Herren Klarheit, und er sagte ihnen die Wahrheit." In diesem Augenblick hörte ich die Blumenfrau sagen: "Der ist bereits verkauft, Sie sehen ja, er hat einen roten Punkt!" Einen roten Punkt, wie bei Bilderaussellungen? Tatsächlich! Ich hatte ihn nicht gesehen. Wie albern, dachte ich, einem Engel einen roten Punkt aufzukleben. "Von dieser Größe hatten wir nur diesen einen", höre ich wieder die Blumenfrau, "und er ist bereits verkauft!" Ist ja schon gut, dachte ich, warum sagt sie das ein zweites Mal? Ich werfe einen letzten Blick auf ihn und höre Annette von Droste-Hülshoff's "Am Weihnachtstag". Und an der Tür steh'n geringe Leute, mühselge Hirten, doch die Ersten heute, und von den Lüften klingt es süß und lind, verlor'ne Töne von der Engel Liede: dem Höchsten Ehr und allen Menschen Friede, die eines guten Willens sind! Ja, ich war guten Willens und wollte den Umsatz dieser Adventsausstellung steigern, aber man ließ mich nicht - der Engel war bereits verkauft - er hatte einen roten Punkt! Schade!! Ach was, dachte ich dann, du hast genug andere Engel, ein bißchen kleiner und aus Holz, aber allerliebst zu dekorieren. Überhaupt, dieser hier, ist viel zu groß und auch nicht elegant und ohne Flügel. Meine Kinder hörten immer so gerne die Geschichte "Worüber das Christkind lächeln mußte" von Heinrich Waggerl. Da schrieb er unter anderem: "Zuletzt verteilte der Erzengel Gabriel noch eine Schar Engelchen im Stall herum auf den Dachsparren, es waren solche von der kleinen Art, die fast nur aus Kopf und Flügeln bestanden. Sie sollten ja auch bloß still sitzen und achthaben und sogleich Bescheid geben, wenn dem Kinde in seiner nackten Armut etwas Böses drohte." Meine Umgebung erreichte mich plötzlich wieder, ich zahlte und verließ den Blumenladen. Der Nikolaustag kam. Ich füllte die Schuhe der Kinder, ich legte heimlich ein kleines Päckchen auf den Schreibtischstuhl meines Mannes und freute mich über die mir sicherlich gelungene Überraschung. Da sagte mein Sohn plötzlich zu mir, ich brauchte meine Schuhe nicht parat zu stellen, die seien zu klein für das, was der Nikolaus mir bringen wollte. Da fiel mein Blick zur Haustür - was steht denn da? Ich stürze hin - es ist der Engel mit dem roten Punkt! Es verschlug mir die Sprache! Ich höre wie durch Watte meine Tochter sagen: "Freust Du Dich? Wir haben ihn zufällig durch's Schaufenster unseres Blumenladens neulich gesehen, als die Adventsausstellung aufgebaut wurde, und da gefiel er uns. Wir hatten aber nicht genügend Geld und da bekam er erst einmal einen roten Punkt, d.h. er ist verkauft, sagte die Blumenfrau". |
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Noch als meine Tochter sprach, glaubte ich den Engel zu hören, wie er sang aus dem Lied "Morgen, Kinder, wird's was geben!" Was für wunderschöne Sachen bringt Euch dann der Weihnachtsmann! Eure Freude, Euer Lachen klingt wie Engelsjubel dann. Denn, der brav und dankbar ist lächelt froh der heil'ge Christ. Wir danken der Autorin Frau Sigrid Funk! |
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